„Man darf sich nicht ducken, man muss sich wehren“ (Hannah Arendt)

Am 7. Juli 2026 durfte unsere Schulgemeinde am GiL den Autoren, Musiker, Schauspieler, Regisseur und Theaterpädagogen Jörg Isermeyer in unserer Aula begrüßen, der eine fesselnde Lesung zu seinem Roman „Egal war gestern“, gab.

In dem Jugendroman geht es um die Frage, in welcher Welt wir eigentlich leben und wie wir sie durch Haltung und Mut gestalten können. Für dieses Werk wurde Isermeyer im November 2025 den Gustav-Heinemann- Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher ausgezeichnet.

Diese Auszeichnung in Bielefeld besuchte nach Einladung des Leiters der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen, Dr. M. Solar, eine Delegation der EF-Schüler*innen des großen Demokratie – Projekttages, das bereits zu Beginn dieses Schuljahres im September 2025 hier am GiL seine Premiere feierte.

Mit lebendiger Stimme belebte Isermeyers Erzähltechnik die gesamte Aula, wodurch die Zuhörer*innen in das Geschehen der Geschichte hineingezogen wurden. Im Anschluss an die Lesung hatten die Zuhörer*innen die Möglichkeit, dem Autor Fragen zu seinem Werk zu stellen, welches sie zuvor im Unterricht, innerhalb eines Peer-Leraning -Projekt zwischen den 10. und 8. Klassen vorbereitetet hatten.

Dabei interessierte sich das Publikum vor allem für die Folgen, die das Buch für den Autor mit sich, bringt, der den Protagonisten im Roman gegen Rassismus und Rechtsextremismus Position beziehen und nicht schweigen lässt. Isermeyer antwortet darauf, dass er vor der Veröffentlichung des Buches darauf geachtet hätte, seine Wohnadresse von sämtlichen Internetseiten zu entfernen, wobei er ganz klar sagte: „Wenn die Rechtsextremen wissen wollen, wo du wohnst, finden sie es heraus, man muss es ihnen aber nicht auf dem Silbertablett servieren“.

Menschen der rechten Szene würden oftmals versuchen Angst zu verbreiten, was einer der Gründe ist, wieso er sich gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft positioniert. Darüber hinaus sagt er: „Wenn die AfD an die Macht kommt, werde ich solche Bücher schreiben können, aber nicht mehr veröffentlichen“.

Auch gab der Autor preis, dass die Geschichte von Finns Vater, dem Vater des Protagonisten, auf wahren Begebenheiten basiert und dass die Geschichte von Finn, der in den sozialen Medien Hassreden erfährt, daher kommt, dass der Autor eine Verbindung für jüngere Zielgruppen schaffen wollte, da er das Thema des Romans für sehr wichtig empfindet. So gab er den Zuhörer*innen den Rat, sich jemandem anzuvertrauen, wenn man selbst Hassreden erfahren sollte, denn Schweigen führe zu Dunkelziffern. Nur wenn über Hatespeech, wovon statistisch jeder Vierte betroffen ist, gesprochen wird, könne man etwas verändern.

Aber auch zur Dauer und Recherche des Entstehungsprozesses des Romans, welche Figur besonders kniffeligen in ihrer Ausgestaltung war oder wie man eigentlich auf die Hobbies oder Berufe der Figuren kommt, wurde der Autor gefragt.

Abschließend kann man also sagen, dass Jörg Isermeyer den heftigen Applaus für seine demokratische Haltung wirklich verdient hat. Wir als Schulgemeinde fühlen uns von Ihrem Besuch geehrt. Vielen Dank, Herr Isermeyer.

Hier noch einige Stimmen unserer Schüler:innen zur Lesung:

Mert Cebeci: „Es war eine tolle Erfahrung, die Autorenlesung von Jörg Isermeyer zu erleben. Zuvor hatten wir den Roman Egal war gestern im Deutschunterricht analysiert und uns dabei unter anderem mit rechtsextremen Symbolen sowie durch Rollenspiele mit den Figuren und ihren Situationen auseinandergesetzt. Die Autorenlesung war ein toller Abschluss, die Hintergründe des Buches zu vertiefen.“ 

Salya Miske Micoli: „Es war für mich eine große Ehre, als Achtklässlerin ausgewählt zu werden und gemeinsam mit der 10. Klasse an diesem besonderen Projekt teilzunehmen. Ich habe mich sehr darüber gefreut, Teil dieser Erfahrung sein zu dürfen.

Nachdem wir das Buch „, Egal war gestern “ von Jörg Isermeyer gelesen und im Unterricht analysiert hatten, war es etwas ganz Besonderes, den Autor persönlich kennenzulernen. Die Lesung hat mir sehr viel Spaß gemacht und war eine tolle Abwechslung zum Schulalltag. Das Buch vom Autor selbst vorgelesen zu bekommen, hat die Geschichte noch einmal auf eine ganz andere Weise lebendig werden lassen.

Besonders interessant fand ich außerdem den persönlichen Werdegang von Jörg Isermeyer – vom Straßenkünstler zum Autor. Seine Geschichte zeigt, dass man mit Kreativität, Mut und Ausdauer seinen eigenen Weg gehen und seine Ziele erreichen kann.

Ich bin sehr dankbar, dass ich an diesem Projekt teilnehmen durfte. Die Begegnung mit Jörg Isermeyer und die gemeinsame Arbeit an seinem Buch werden mir noch lange in positiver Erinnerung bleiben.“

Text und Bilder: Mia Svenson, EF