καλώς ήρθατε! Ein unvergesslicher Auftakt unseres Lesbos-Austauschs 🇬🇷🇩🇪

 
Herzliche Umarmungen, griechische Gastfreundschaft, 20 Millionen Jahre alte Bäume, Katzen und Hunde, die gestreichelt werden wollen und ein nächtliches Abenteuer auf einer antiken Akropolis: Die ersten Tage unseres Austauschs auf der griechischen Insel Lesbos hätten abwechslungsreicher kaum sein können. Schon jetzt steht fest: Diese Begegnung wird allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben.

Am Mittwochmittag begann für 18 Loekämper/innen in Begleitung von Herrn Asholt und Frau Wenzel ein ganz besonderes Abenteuer. Treffpunkt war der Düsseldorfer Flughafen, von wo aus es über Athen auf die griechische Insel Lesbos ging. Der Zwischenstopp in der griechischen Hauptstadt bot bereits Gelegenheit für erste kulinarische Entdeckungen, wobei sich Burger King zunächst überraschend großer Beliebtheit erfreute.

Gegen 21 Uhr erreichte unsere Gruppe schließlich den Flughafen von Mytilini. Was uns dort erwartete, übertraf jedoch alle Vorstellungen: Die griechischen Gastfamilien hatten ein regelrechtes Empfangskomitee organisiert und begrüßten ihre deutschen Gäste mit einem Spalier, riesigen Willkommensbannern, erfrischenden Getränken und liebevoll vorbereiteten Schokoladengeschenken.  Die Begeisterung und Rührung waren unseren Schülern deutlich anzusehen. Schon bei dieser ersten Begegnung wurde spürbar, mit wie viel Herzlichkeit und Vorfreude unsere griechischen Partner uns erwarteten. Anschließend ging es direkt in die Gastfamilien, wo die Marler Kinder erstmals in ihren griechischen Alltag eintauchen durften.

Ein herzlicher Empfang und ein gelungener Start in Pappados

Am Donnerstagmorgen stand der erste gemeinsame Schultag am Gymnasio Geras in Pappados auf dem Programm. Nach einer herzlichen Begrüßung erkundeten wir zunächst das Schulgebäude und erhielten einen Einblick in den griechischen Schulalltag.

Anschließend sorgten zahlreiche ebenso kreative wie unterhaltsame Kennenlernspiele dafür, dass mögliche anfängliche Berührungsängste schnell schwanden. Es wurde gelacht, improvisiert und miteinander kommuniziert, notfalls eben mit Händen und Füßen. Schon nach kurzer Zeit entwickelte sich eine bemerkenswert offene und ausgelassene Gruppendynamik.

Dass Gastfreundschaft in Griechenland einen ganz besonderen Stellenwert besitzt, durften wir auch an diesem Vormittag erfahren. In der Sporthalle hatte die griechische Schulgemeinschaft ein beeindruckendes Buffet mit zahlreichen  Köstlichkeiten aufgebaut. Mit so viel Engagement und Herzlichkeit verwöhnt zu werden, ist keineswegs selbstverständlich und verdient schon jetzt ein großes Dankeschön!

Gut gestärkt wurden wir anschließend selbst kreativ: Gemeinsam gestalteten die Schülerinnen und Schüler individuelle Tassen als persönliche Geschenke für ihre jeweiligen Gastgeschwister. Dabei entstanden nicht nur schöne sowie manchmal auch erklärungsbedürftige Erinnerungsstücke, sondern auch weitere Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause in den Gastfamilien traf sich die Gruppe am Nachmittag erneut in Pappados, um den Ort bei einem gemeinsamen Spaziergang näher kennenzulernen. Ein besonderes Ziel war das Museum der historischen Vranas-Olivenpresse, das interessante Einblicke in die traditionsreiche Olivenölproduktion der Insel bot. Und natürlich durfte auch hier eine kleine Verkostung nicht fehlen. Schließlich lässt man seine Gäste auf Lesbos offenbar nur äußerst ungern hungrig nach Hause gehen.

Eine Reise durch 20 Millionen Jahre Erdgeschichte

Am Freitag wartete ein ganz besonderes Highlight auf unsere Gruppe: ein zweitägiger Ausflug in den Westen der Insel, der uns zunächst in den UNESCO Global Geopark Lesbos führte.

Hier befindet sich einer der außergewöhnlichsten Naturschätze Griechenlands: der versteinerte Wald von Lesbos. Vor rund 20 Millionen Jahren wuchs in dieser Region noch eine üppige, subtropische Vegetation mit riesigen Bäumen, darunter Vorfahren heutiger Mammutbäume. Gewaltige Vulkanausbrüche veränderten die Landschaft jedoch grundlegend. Asche und vulkanische Schlammströme begruben große Teile des Waldes unter sich. Im Laufe von Millionen Jahren wurde das organische Material der Bäume durch Mineralien ersetzt, sodass ihre ursprünglichen Strukturen bis heute in Stein erhalten geblieben sind.

Das Besondere: Viele der versteinerten Baumstämme befinden sich noch immer genau dort, wo die Bäume einst gewachsen sind. Bei strahlendem Sonnenschein konnten unsere Schülerinnen diese beeindruckenden Zeugnisse der Erdgeschichte aus nächster Nähe bestaunen und sogar ausgewählte versteinerte Fundstücke berühren. Ein Baum, der vor 20 Millionen Jahren gelebt hat, ist plötzlich zum Greifen nah!

Begleitet wurden wir von zwei deutschen Freiwilligen, die im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres auf Lesbos tätig sind. Sie vermittelten uns anschaulich die geologischen Besonderheiten der Insel. Denn Lesbos liegt in einer Region, deren Landschaft über Jahrmillionen durch vulkanische Aktivitäten und die Bewegung tektonischer Platten geprägt wurde. Die bis heute bestehende Erdbebengefahr in Griechenland erinnert daran, dass die Erdkruste keineswegs unbeweglich ist.

Nach einer wohlverdienten Mittagspause im malerischen Dorf Antissa führte uns der Weg weiter zum Naturhistorischen Museum des Versteinerten Waldes in Sigri. Dort erwartete uns neben faszinierenden Ausstellungsstücken ein Erlebnis, das sicherlich niemand so schnell vergessen wird: ein Erdbebensimulator!

Diese spezielle Anlage ermöglicht es, die Erschütterungen historischer Erdbeben realitätsnah nachzuempfinden. Sie wird auch für Bildungsprogramme genutzt, in denen griechische Schülerinnen und Schüler lernen, wie sie sich im Ernstfall richtig verhalten. Was zunächst nach einer spannenden technischen Attraktion klang, wurde schnell zu einer eindrucksvollen Erfahrung. Wenn der Boden plötzlich zu beben beginnt und man die Kontrolle über den eigenen sicheren Stand verliert, entsteht ein Gefühl der Hilflosigkeit, das sich kaum beschreiben lässt. Uns wurde auf eindringliche Weise bewusst, mit welchen Naturgefahren die Menschen in Griechenland leben und wie wichtig eine gute Vorbereitung ist.

Auf den Spuren Sapphos – und auf Schatzsuche in der Dunkelheit

Am Abend erreichten wir schließlich Eresos, den überlieferten Geburtsort der antiken griechischen Dichterin Sappho. Die bedeutende Lyrikerin lebte um 600 v. Chr. und gilt als eine der herausragenden Stimmen der griechischen Antike. Ihre Gedichte über Liebe, Sehnsucht und menschliche Beziehungen haben die europäische Literaturgeschichte nachhaltig geprägt. Sappho war vermutlich Mittelpunkt eines Kreises junger Frauen aus angesehenen Familien, denen sie unter anderem Dichtung und Musik vermittelte. Ihre Liebesgedichte, die sich teilweise ausdrücklich an Frauen richten, trugen dazu bei, dass sich von ihrer Heimatinsel Lesbos später die Bezeichnung „lesbisch“ für die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Frauen ableitete.

Nach dem Bezug unserer Unterkunft nutzten einige besonders wasserbegeisterte Loekämper Jungs die letzten Sonnenstrahlen für ein erfrischendes Bad im Meer. Anschließend ließen wir uns in einer Taverne direkt am Strand ein reichhaltiges griechisches Abendessen begleitet von guter Laune, lebhaften Gesprächen und möglicherweise etwas zu viel Cola schmecken.

Während ein Teil der Gruppe gemeinsam den charmanten Küstenort erkundete, wartete auf zehn abenteuerlustige Marler Kinder noch eine ungewöhnliche Herausforderung. Sie ließen sich von Frau Wenzel für deren Hobby Geocaching begeistern und machten sich nach Einbruch der Dunkelheit auf die Suche nach einem versteckten Schatz.

Das Ziel war ausgerechnet die antike Akropolis von Eresos, die hoch über dem Küstenort auf einem Hügel thront. Ausgestattet mit Handylampen, Entdeckergeist und einer ordentlichen Portion Mut ging es über die nur spärlich beleuchteten Wege hinauf zu den Überresten der antiken Befestigungsanlage. Dort galt es, einen kleinen Geocache aufzuspüren. Die nächtliche Schatzsuche wurde zu einem ebenso spannenden wie ungewöhnlichen Gemeinschaftserlebnis und bildete einen unvergesslichen Abschluss dieses ereignisreichen Tages.

Europa erleben statt nur darüber sprechen

Was uns in diesen ersten Tagen besonders beeindruckt, sind jedoch nicht allein die außergewöhnlichen Ausflugsziele oder die landschaftliche Schönheit von Lesbos. Es ist vor allem das Miteinander unserer deutschen und griechischen Schülerinnen und Schüler.

Schon nach kürzester Zeit sind aus zunächst fremden Jugendlichen vertraute Gesprächspartner geworden. Sprachliche Unsicherheiten spielen dabei kaum eine Rolle. Wo englische Vokabeln fehlen, helfen Gesten, ein paar griechische oder deutsche Wörter und vor allem eine gehörige Portion Humor. Es wird gemeinsam gelacht, gegessen, gespielt, entdeckt und ganz selbstverständlich Zeit miteinander verbracht.

Besonders schön ist zu beobachten, wie schnell sich die Jugendlichen aufeinander einlassen und wie selbstverständlich sie sich gegenseitig in ihre Gemeinschaft aufnehmen. Die anfängliche Aufregung ist längst einer Begeisterung gewichen, die bei vielen Schülerinnen deutlich zu spüren ist. Einige sprechen schon jetzt davon, dass dieser Austausch zu den schönsten Erlebnissen ihrer bisherigen Schulzeit gehört.

Genau darin liegt der besondere Wert von europäischen Jugendbegegnungen: Europa bleibt nicht länger ein abstrakter Begriff aus dem Unterricht, sondern wird durch persönliche Begegnungen, gemeinsame Erlebnisse und neu entstehende Freundschaften lebendig.

Und während wir gerade einmal die ersten Tage hinter uns haben, ist eines bereits sicher: Wir sind auf Lesbos nicht einfach nur zu Gast – wir fühlen uns willkommen, verbunden und ein kleines bisschen schon wie zu Hause.

Wir freuen uns auf die kommenden Tage und viele weitere gemeinsame Erlebnisse mit unseren griechischen Freunden!

Hier noch ein Link zur lokalen Berichterstattung, der sich mit KI einfach übersetzen lässt: https://www.stonisi.gr/post/119509/germanoi-mathhtes-gnwrizoyn-th-lesvo